Donnerstag, 30. Mai 2013

Auslassungspunkte: Was lasse ich nicht alles aus …?!?

Mittwoch, 29. Mai 2013

Die Bundesrätin trägt Gelb
Wie ich das fände, fragt man mich
Ich habe dazu keine Meinung, meine ich,
Wie soll ich denn?
Schließlich halte ich auch nichts von ihrer Politik
Ins Leere gerattert.
Sie nahm mich in ihre Muschine: ratter-ratter.

Montag, 27. Mai 2013

Sonntag, 26. Mai 2013

Manchmal häscherets im Leben, aber da muss man durch. Denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Außer das Spiel ist aus.
Kulturszene: Ich habe mir (teilweise unabsichtlich) die Maske des DummDepps angezogen. (Sollte ich sie nur überstreifen?)
Schreiben ›kann‹ jeder. Ideen haben können auch viele. Zusammenfügen ist das Kunstwerk. Gott – wenn’s ihn denn jetzt gäbe – wäre überhaupt nur ein (schlechter) Zusammen-Füger, ein Kompilator, ein Schludri. / Von daher auch die Idee, alles neu zusammenzufügen (Lexika; aber auch Roman-Welten, Ideen-Welten).
Ich möchte bei einer – irgendeiner – Beurteilung vor ebenbürtigen Wesen stehen, gegen die ich mich zur Wehr setzen und denen ich meine Argumente vorbringen kann: So erfinde ich sie mir selbst und rede mit ihnen, haue ihnen eins auf die Schnauze, ringe mit ihnen, komme unten zu liegen und rangele noch ein wenig nach.

Samstag, 25. Mai 2013

Joyce würde ich gerne das Wasser reichen. Wenn er bloß durstig wäre!
Nadelöhr-Gehör.
Oh Du meine Zeit
Wie kann ich dich fangen?
Schnell mein Rösschen, reit
Es bleibt sonst an mir hangen!
Frau Welt, was bist du? Menschen, wer seid ihr, woher stammt und kommt ihr? Eine banale Frage heutzutage, die aber immerhin Klinge-Klang hat.

Freitag, 24. Mai 2013

Mehr Freirhythmiker als Steifstrophler.
Ich möchte den Brei der Kindheit essen. Wer soll ihn kochen? Der Vater versucht es. Aber da fehlt noch viel. Ich hole die ehemalige Lehrerin zu Hilfe. Aber auch so fehlt viel zu viel. Es kommt der Junggruppenleiter. Ja, ein wenig riecht es nach damals, aber wer soll das essen, so wie es aussieht? Ich kenne einen anderen Brei. Also zeigt sich die Tante. Sie kocht gut. Aber auch mit ihren Kochkünsten wird der Brei nicht wie damals. Als fast schon letzte Möglichkeit zeigt sich die tote Großmutter. Aber ach, ihr brennt wie immer der Brei ein wenig an. Nunja, vielleicht gehört das dazu; aber es passt noch nicht. Also finde ich endlich den Pfarrer, der grad seine Kirche begutachtet; auch er schon lange nicht mehr von dieser Welt. Was also kann er ausrichten? Er kann den Chefkoch holen. Er kommt, der wahnsinnige, der tolle Mensch. Und wie sieht der Brei aus? Man muss ihn mit dem Presslufthammer zerkleinern. – Und mir reicht’s. Es geht einfach nicht. Dabei sehne ich mich so danach. Brei der Kindheit, wie hast Du geschmeckt?
Der Selbstmord unterscheidet uns von den Tieren (Delphine?) – eben: Sackgasse …
So sicher, wie die Mehrheit meint, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei (Sind wir monarchistisch?!), ist das keineswegs: Ja, wenn wir eine Sackgasse sind, sollten wir wenigstens zusehen, dass wir den möglichen ›Kronen‹ (Ratten? Einzeller?) wenigstens geholfen haben: Wie Eckermann dem Goethe.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Heutzutage bin ich weder rechts noch links (nur, wenn ich besoffen bin) – ich bin unten.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Phantasie = Potenz der Realität.
Realität = Wurzel der Phantasie.
Es steht ein Mann
Und singt sein Lied
Ruck zuck zack zack
Er ist nicht mehr
Hopfentlich wird‘s malz anders.

Dienstag, 21. Mai 2013

Der Wirt hat nichts gespürt. Der Frosch schlüpfte aus seinem Mund, als er bewusstlos dalag und niemand dagewesen wäre, um zu sagen, wie lange er wohl noch leben würde. Der Frosch blickte nach rechts. Da ging es steil nach unten. Links ging es kaum weniger steil nach oben. Also hüpfte er vorwärts, nicht, ohne sich ab und zu nach hinten abzusichern. Doch keine richtige Freude kam auf. Das Hopsen war anstrengend, er hatte ein beständiges Rauschen im Gefühl, Wasser war nicht in der Nähe und das Leben draußen also schwer. Was sollten all diese Dinge, von denen er nichts verstand? Drinnen hatte er alles gehabt. Schon war er am Zurückhopsen, als er merkte, dass sein Wirt nicht mehr alleine war. Ein Mann kniete bei ihm und sagte eben zu seiner Begleitung: »Er muss einen Hirnschlag gehabt haben; er ist tot.« Ui, was sollte er jetzt? Rasch hüpfte er um das Felseck. Schon wollte er sich halt in sein Schicksal fügen, als es plötzlich schattig um ihn wurde. Er hatte nie nach oben geblickt! – Und es wurde ganz dunkel. Zwei Wochen später kam sein neuer Wirt auf die Welt: ein kleines Mädchen.

Montag, 20. Mai 2013

Mahlers ewiger Tod. Immer und immer und immer wieder. Das Sterben als … Streben … Sterben … als immer …
Was machst du gerne? Essen.
Ist das alles? Schlafen.
Echt? –.
Also, sonst nichts mehr? –.
Sex? Geht sie nix an. … Lesen.
Ah, das natürlich … Und saufen …
Und so lebt man? Alle Tage.
Die ›Schweizerische Pfadistiftung‹ spendet den »Pocket-Petrus«: Goddamn, schauen die mir etwa in die Hose?!
Der ›Sauerkrautschlucker‹ des Muoatathals. Er hatte den geilsten Schlitten. Und schon Unfälle. Egal. Im Saufen ist er spitze. Er verbringt seine Wochenenden wieder und wieder die Meter zählend, die er schafft, wenn er zuvorderst im Dorf, in der ersten Beiz, das Saufen beginnt, mit einem Bier, und dann weitergeht zur nächsten Beiz, dann zur dritten usw. Meistens übernachtet er draußen. Jemand stellt dann sein Auto in die Nähe.
Wenn ein großer Schriftsteller stirbt, steht da ein neuer Stern am Himmel; ich blickte bei Nabokov hinauf, sagen mir meine Tanten, bei Arno Schmidt … Seither suche ich fernoben im kalten Gestirn meine Toten … Doch eingeklemmt im Schöpfungsriss, dringt durch mich der Sterne Atem, ohne dass ich Frisch gefunden hätte, Erika Burkart oder Jürg Jürgensen; bei Hermann Burger sah ich eine Sternschnuppe, bei Dürrenmatt einen matten Stern …
Lasst uns doch alle Reichen von zum Beispiel Frankreich in die Schweiz holen, das Hoheitsgebiet der Schweiz im Westen etwas vergrößern, dann Frankreich von allen restlichen Franzosen säubern, und vor allem den Süden am Meer für uns haben. Wenn es zu wenig mild sein sollte, könnte man es leicht atomar verseuchen und man sitzt halt mit ein paar Jod-Tabletten täglich am Strand. Macht doch nichts, oder?

Sonntag, 19. Mai 2013

Ich und die Welt: Mit einer Energie aufgeladen, die nur den Schluss zulässt auf eine libidinöse Beziehung zum Hassobjekt der Fremdheit. Die Kakophonien der Ekelbeschwörungen als verkappte Liebeslieder. Oder der Versuch, das Gleichgültige auszufüllen, und sei es mit Abwehr. Das Unheimatliche als heimliche Lockung: Ich will in den Abgrund des Tabuisierten stürzen. Es werde mir (und meinen Leserinnen und Lesern) ganz anders.
So muss man sich wohl auch ›Gott‹ vorstellen: Kreiert als ein Monstrum, damit überhaupt etwas ›da‹ sei, das man und auf das man zeigen kann.
Literaturen und Litaneien demnach sehr ähnlich: Sie psalmodieren das Allerintimste , in einer ganz eigenen – phonetisch ritualisierten – Geheimsprache.
Anickdoton.
Oh, dies Gedicht ist auf dem Bauch einer bezaubernden Frau geschrieben worden. Ihre Brustberge grüßten die Buchstaben aus der Ferne, das Tal der Lust roch man bis zum Bauchnabel.
Das war eine Irreführung. Was stimmt: Ich schreibe gänzlich nackt am Computer.
Niemand darf mit der Wimper lachen.

Samstag, 18. Mai 2013

Dies fliegende Schnapp. Sie muss es greifen, herabhangeln, dann zubeißen. Das fliegende … Es kommt immer, wenn der Fleischberg dasteht. Ihm tut das alles nichts. Verheißung. Und fein.
Ah, dieser Künstler: Er hat entweder fast keine Bücher verkauft oder aber Bestseller, dann aber in seinen Anfängen fast keine. Die wahren Bücher schätzen sie heute, nach seinem Tod, aber nur die wahren Kenner. Was jeder von sich denkt. Blabla. Und der Künstler hatte Frauen, Alkohol, er war halt speziell. Aber das Land hat er trotzdem geliebt. Und die Tiere. Ah, wenn sie so einen Mann haben könnte. Oder so eine Frau. Meimei.
»Bitte, nach Ihnen«, sagt der Greis zum anderen Greis.
Mir träumte, dass ich vor ein zahlreiches und erwartungsvoll gespitztes Auditorium hintrete, geschäftig meine Unterlagen sortiere und munter und zweifelsfrei zum Vortrag ansetze. Doch mitten in der Rede merke ich, dass ich eine Sprache spreche, die sie noch nicht sprechen. Ich habe Sprachschritte getan, die sie noch nicht mittun können. Ich bin allein mit meiner Rede. Niemand versteht mich. Nur die Katze des Hauswarts nickt dazu ein wenig. Und er, bei ihm bin ich nicht sicher … versteht er mich, einfach so?

Freitag, 17. Mai 2013

Hermann Burger: Er war nie richtig in der Szene integriert – wie sollte er auch: Die meisten fühlen es nicht. Also hatte er nur einen kleinen Kreis um sich und so seltsame Freundschaften (der Verlorenen). Ah, diese Spannung zwischen Wissenschaft und Dichtung … (Viele haben höchstens eine Dichdung.)
Schlafen, Luftholen, Dichten: Ist das schon ein ›Verbrechen‹ (ein Zertrümmern von Lebensmöglichkeiten anderer)? Ist das schon ein Problem? Wem nehme ich was weg, indem ich schon ›nur‹ ›lebe‹?
Die zur Leistung notwendige Beschränkung des Gesichtsfeldes.
Zu Tode saufen? Hingehen und Flasche um Flasche um Gläschen um Gläschen reindrücken, runterschlucken. Immer mehr, immer mehr, alles dreht sich, eine finale Karussellfahrt, es nimmt einem mit, nimmt einem so richtig mit, für immer, jetzt, nur nicht mehr sein.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Oh, sieh, das Girl unholde – es platzt ihr schönes Kartoffelkleid vor Brüsten groß und voll. Oh der Töne, oh, der Klänge, wie peinlich ist denn das?
Hekuba! – Fasst man es noch: Die ›offene Kirche‹ (!) Bern feiert »Bern schwarz«! Also: Nigger ahoi … – Haben die auch ein sprachliches Sensorium?
Der Mann fährt im Rollstuhl spazieren. Sein Hund läuft nebenher. Da muss der Hund kacken. Der Mann fährt weiter. Da schreit ein Passant: »He! Lies gefälligst auf!«
Eine Haltung der Sprache, die nicht nur nicht alltäglich ist, sondern die auch ahnen lässt, dass sie zu einer anderen Welt hinübergebogen sei.
Ich werfe einen Anker in der Luft herum, dessen Tau um den Hodensack gebunden ist. Aber kein Zug ist zu spüren. Alles vergebens: Warum lebe ich noch? Liest doch eh keiner. Und das Spielen im Text macht nicht immer Freude. Eher: das Saufen, Fressen, Schlafen, Ficken, Spielen draußen, Sehen, Fühlen – aber die Hälfte davon ist mir verwehrt. Ich peitsche mich weiter im steilen Sturz nach unten.

Mittwoch, 15. Mai 2013

»Der Frosch singt auch nicht schön, aber es ist doch sein Leben.« – Und seit Ovid können wir das sub aqua sub aqua doch recht goutieren.
Selten und nur kurz sind DIESE Augenblicke: Föhnfische schwimmen im Himmel, am Südende des Sees klafft starre Schwärze. Die Ufer stehen in Aufruhr.
Ich verfalle in die Bitterkeit eines alten Knorzes, der eine Überdosis Weltschmerz zu sich genommen hat.
Ich fülle meine Lungen mit der von Sottisen gesättigten Luft und schreie stumm das ABZett.
Ich habe meine Nabelschnur endlich durchtrennt! Weg ist weg. Aber es ging nur mit schwersten Attacken auf mich selbst, in mir selbst.
Die Welt sei ein Spital oder ein Gefängnis. Ich als Spitaler frage: Ist das die Wahlmöglichkeit?

Dienstag, 14. Mai 2013


Komm ihr zu Hilfe, oh Wassergeist, mein Bruder, mein Vorausquellender, du Springbrunn des Lebens, du Born der Schönheit, du strahlend blaues Hazweioh!
HAT SICH IN SICHERHEIT GEBRACHT, DER ARME TROPF!
Eine Marienerscheinung mehr oder weniger macht noch keinen Himmel. Denen erscheinen doch ihre Wunschträume ständig vor Augen – und wenn’s nur in den Auslagen der Geschäfte ist; die Kirche sorgt vor.
Alles schon einmal da. Alles. Was man einzig noch machen kann, ist eine eigenständige Zusammenstellung von ausgewählten Teilen des Ganzen. Das ist dann auch Kunst. Indem sie die eine Kombination findet, hält sie den Rückgang ins Nichts auf – solange man sie gewähren lässt und unterhält, die Künstler.
Wahrnehmen, prüfen, umsetzen –: Worte, darin Zusammenhang, sinnvolle Erfahrung: ordnendes zoon suchikon …: Texte.
Warum kann es nicht Suppe regnen? Nicht allzu heiß …

Montag, 13. Mai 2013

Nachdem die Zwillingsschöpfer Vierfüßler und Vögel geschaffen hatten, sprachen sie zum Reh, zu den Vögeln, zu Puma, Jaguar und Schlange: ›Lobt uns. Redet zu uns‹. Aber die Tiere konnten nicht reden wie Menschen. Sie zischten, schrien und gackerten. Sie konnten kein Wort formen, und ein jegliches schrie nach seiner Art. Da beschlossen die Former und Schöpfer: ›Wir werden euch ersetzen, da ihr nicht sprechen könnt. Ihr ward nicht fähig, uns anzurufen. Daher werden wir andere erschaffen, die uns willig sind. Das ist fortan euer Schicksal: Euer Fleisch wird gefressen werden.‹ – (Hieran ist derart viel falsch, dass man nicht weiß, wo beginnen. Aber:) Ich lobe auch nicht. Fresst mich! Aber es ist ja ganz zuvorderst bloß eine Rechtfertigung fürs Fleischfressen.
Der Fischnickel ist aus seinem Element: Tönen seine Laute wie das Ächzen eines Sterbenden? (ICH-thyosis) Eines Wieder-Eintauchenden in den Hades?
Wirkung eins oder zwei: Zeigen, wie man ein Haus bestellt, beziehungsweise zeigen, wie es um ein Haus steht. Das Spiel steckt bei Variante zwei mit darin. (Es kann das auch bei Variante eins der Fall sein, aber sehr sehr selten.)
Den Zufall benützen und so tun, als sei man ohne Zufall ausgekommen. Das Welt-Arrangieren der Künstler.
Wer klopft mir auf die Noten? Schreibe ich also Zeichen.
Spiel und Wirkung: Der Alltag kann voll Spaß sein, wenn man ihn mit Lust spielt. Die Nicht-Wirkung höchstens frustet.
Der Erste Weltkrieg als Privat-Katastrophe für Robert Walser. Aber dachte er in solchen Kategorien?
Spiel und Wirkung: Fallen eventuell ineinander … Beides spielt sich DOCH auf dem Papier ab und in effigie.

Sonntag, 12. Mai 2013

Tastenzauber, Zaubertasten: Der Schriftsteller klappert rum.
Ich selbst bin mein idealer Leser.
Robert Walser. Blickt mit Neid hinauf, wo kein Hochmut herunterguckt.
Die Kälte kriecht in mir hoch; bis zum Mund reicht das Weiß. Nur beim Niesen fliegt der Schnee weg.
Ich sammle Namen, kann noch klagen und meide den Gast, der so deutlich schweigt, dass in der Nacht immer ein Nachhall bleibt; er kommt wieder, weiß ich, sein Name bürgt für Dauer und Ruh.

Samstag, 11. Mai 2013

Sie: Wie krank bist du eigentlich?
Er: Augevögle god no.
(Für unsere deutsch-deutschen Mitbürger:
Sie: Wie krank bist du eigentlich?
Er: Blickficken geht noch.)

Freitag, 10. Mai 2013

Ich sehe mich sowieso gerne als literarischen Feldherrn, der mit dem Tintenszepter (Wieso schreibt das weiß?!?) über alle Manuskripte und Typoskripte befiehlt und das sogenannt Reale heftig verwirft. – Also leb‘ ich meine Reste / Vom Belagerungsding umspannt / Still in meiner Zimmerfeste / Innern Welten zugewandt …
Früher in Cafés. Heute zum Beispiel im fahrenden Zug, im Bistro, als der Inbegriff einer Erfahrung der Moderne: Die unterschiedlichsten Parallelwelten treffen zu einem einzigen mehrperspektivisch herausfordernden Eindruck aufeinander: die Fahrbewegungen und -Geräusche, die Landschaft vor den Fenstern, Gerüche, Gesprächsfetzen, Lautsprecherdurchsagen. Die Schmutzflecken an der Scheibe und die Reflexionen des Innern in Tunnels oder in der Nacht. Photos von Schönheiten, wenn man die Kamera unverdächtig (am Tag) nach draußen richtet. Ja, und also einen Gruß an Hermann Kesten.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Eunuch als Vater gesucht.
Erfinde Grabsprüche. Aber nur gegen Vorkasse.
Ah, jetzt: Wenn Mädchen zum Manöver blasen, stehen Männer gerne Schlange. Singt Robert der Mutige.
Mein Tränenkrüglein füllt sich. Es will und will nicht brechen.

Mittwoch, 8. Mai 2013

Doch Hoffnung im Ganzen. Aber Wahrheit im Einzelnen!
Wir fahren auf den Tod hin. Fluss um Fluss. Grabfahrläßig.
Jenseits von Sexualität und Vergänglichkeit, jenseits marktgängiger Heilsversprechen …, tauchen sanft oder schockhaft imaginäre Paradiese der Ich-Vergessenheit auf.
Einst, da im Winter, war ich glücklich,
Schneeballfechtend.
Jetzt, jetzt schreib‘ ich.
Und einst, dann, im Sommer,
Werd‘ ich müde nach Hause gehen.
Er hatte sein Leben lang mit keiner Frau geschlafen. Aber an seiner Beerdigung war die Kirche brechend voll. Dicht an dicht hockten sie und waren untröstlich. Aus den Handtaschen kamen massenweise Schnupftüchlein hervor.
Vom Leben bereits tödlich verwundet.
Ka-Ka-Ka-Kain-Kaka: nicht Kasse, nein: Kassandra.
Schriftsteller: rhetorische Riesen, politische Zwerge.

Dienstag, 7. Mai 2013

Kants Tauben können nicht fliegen; aber die Katzen buckeln spielerisch um Einlass.
Die Menschen können einem erbarmen; aber die größte Barmherzigkeit liegt ja darin, dass der Menschenverstand nicht alle seine Inhalte zueinander in Beziehung zu setzen vermag. – Außer man lagert sie auf ›Papier‹ aus: Schreiben ist der Versuch, genau dies doch zu schaffen.
Der Traum unter meinen Flügeln werde Welt.
Ich zeichne den Flug der Vögel nach und suche nach Linien im Leeren. Keine Spur. So stürze ich mich selbst in den Himmel.
Was spricht dafür, das Deutsche als Sprache zu erhalten: NICHTS. Dieses Wort.
Mir spuckt das Glück die Erdengenüsse (Erdengüsse) wie Wallnüsse auf den Kopf statt in den Schoß.
Rings die Verstorbenheit.
Wenn Deine Idole des Radsports alle bei einer Abfahrt sterben, gibst Du diesen Berufswunsch dann nicht auf? Wenn alle Deine Schriftsteller arm und von der Gesellschaft verdorben verstorben sind, fängst Du überhaupt an zu schreiben?

Montag, 6. Mai 2013

Die Weltlast: Unter welcher Bürde brechen wir zusammen; wortwörtlich: Wann kotzen wir?
Jetzt wird die Idee in mir wieder stärker: Es muss doch möglich sein, dass das Hirn für sich allein lebt. Es empfindet keine körperlichen Schmerzen, also …; höchstens: Wo bleiben Sex, Essen, Sport?
Der Mann (im Totenbett): Frau, lass mir doch bitte eine neue Decke holen, die hier schmerzt mich sonderlich.
Seine Frau: Aber Heiri, denk an das schöne Geld!
Fahrt ins Blaue: ja, genau: mit dem Glas Alkohol in der Hand. Fahrt ins Grüne: bald nicht mehr.
Trinken kann nie schaden: Aber wenn das innere Fass überläuft? Und das Eigene wird zum Fremden? Und Kriege sind so schnell am Laufen.
Ich erfinde die Figur, sie redet mit mir. Dann lösche ich sie. Nein, sie hat sich in den Schwamm gestürzt.
Der bedeutendste Roman der Weltliteratur entstand in 17 Jahren am heimischen Schreibtisch des Mannes, der zuvor Roman um Roman geschrieben hatte und wegwarf, damit er jene Höhe des Könnens erreichte, die unerreichbar bleiben sollte. Als er starb, kannte jedoch niemand seinen Namen oder den Titel seines Romans. Denn Agenten, Lektoren und Verleger waren sich alle einig: Vollkommen unverkäuflich!

Sonntag, 5. Mai 2013

Ein stolzer Ritter mit einem Vögelchen im Kopf.
Immerhin darf die Frau den Mann inzwischen auch als ›reines‹ Sexualobjekt betrachten – ganz offiziell. Schwatzen die einen. Aber … Yes, we cunt.
Starre, so weichst du
Leider von mir.
Keine Gefühle;
Eisig wie Ruh.
Nur unter Frühlings
Sinnlichem Hauch,
Schwellen die Blusen –
Schwänzchen, du auch!
»Ich wünsche Dir so viel Freuden, als Schlüsselblumen in Deinem großen Garten blühen. Und auch einen hübschen Maitag, um sie zu pflücken!« – Ja, das freilich fehlt den meisten zu ihrem Glück.
Tragische Fortschreibung von Lebenslüge.
Alles ist klein und beschaulich hier: Alle wollen nur ihr Hüsli und ihre Fränkli. Aber all die Hüsli fressen immer mehr Land, bis hinauf in die Alpen; dafür werden die Fränklis zu digitalen Bergen.
Die Herkunft wird zur Niederkunft. Bei mir sowieso.
Die politischen Schafsnasenlammgedanken träumen sich in ein golden vlies aus weichen zotteln.
Sprache: gewendeter Atem. Wirklich? Kommt nicht nur Zwiebelluft? (Celan; Müller)
BAR jeder Hoffnung: Wenn sie besoffen sind, hoffen sie wieder …, glauben sie wieder …, wissen sie wieder …

Samstag, 4. Mai 2013

Fühle ich mich zum gleichen Geschlecht hingezogen? Da sitzt einer zwischen meinen Augen, wenn ich versuche, einzuschlafen … Er heißt Naseweis.
Wenn alle meine literarischen Überväter verstorben sind, vor wem soll ich noch bestehen? Es bleibt letztlich nur: Vor mir selbst bestehen. Ich mache mich zu meinem Über-Ich, zu meinem Hausgott.
Gegen-Ulysses: Ich will nur eines nicht: heimkehren.
Was wir erleben von Zeit und Ewigkeit, den ›Augen-Blicken‹, den ›Hör-Wellen‹, ich sehe hin – und alles ist düster: Gegen-Epiphanie.
Was hat das Hoffen für einen Sinn: Der Schnee fällt nicht hinauf. Die Nachtigall fällt erfroren vom Baum.
Carma obscura – Lied vor dem Tod, was liegst Du da, steh‘ auf und geh!
Ich versuche, die trüben Grillen zu verscheuchen. An die Wand mit Euch. Geblendet dort mit Licht aus dem Schatten. Es blitzt und meine Punkte zittern.
Sich mit allographen Spuren in fremde Texte einschreiben.
ANFÜHREN: Sie führen meine Gedanken an. Die Gedankenstriche. Anführungsstriche. Diakritische Zeichen. Zur Unterscheidung.
MEIN jüngstes Gericht – ein Essen, das ich zu viel fraß – pfeift mir in den Ohren.
Der Fehler, in den man immer wieder fällt, besteht darin, das Leben als etwas Definitives zu betrachten. Definitiv ist nur der Tod.

Freitag, 3. Mai 2013

Die Glocken läuten in meinem Hirn: Ich erwache und blitze auf, Ende.
Die Literatur als Perigraphie zum Leben. Oder umgekehrt?
Eine Würde wäre: im ganz eigenen Ton reden zu können. Aber wer erfindet den neu?
Es war um eine Mittnacht schaurig, als ich trübe sann und traurig,
Hörte plötzlich leis ein Pochen, von der Zimmertüre her.
»Besuch wohl noch«, so murrt' ich, »den der Zufall leitet her –
Dies allein – nichts nimmermehr.«
Nochmals so gefragt, ja: so: Deuten Charakterschäden bei der Unterschicht nicht immer auch auf den Druck von oben her?
Wo stehen wir, wenn wir stehen? – Ich meine: Selbst wenn ich für benachteiligte Menschen schreibend kämpfe, stehe ich nicht doch ganz woanders? Und ich meine: ganz woanders?

Donnerstag, 2. Mai 2013

›Stoffe‹, Gruß an Dürrenmatt: Wir sind der Stoff, odr?
Der Dornauszieher: Genau hinsehen, sich selbst helfen. Eine kleine Wunde bleibt.
Sie malt ausschließlich Bilder von Menschen, die auf Bänken sitzen.
Das Stygische sickert durch uns durch und Lethe rinnt uns in trübseliger Sprache als defekte Fäkalinstallation hinten zum Arsch raus.
Auch eine Dame mit Hund
Erhebt Anspruch auf ihr Glück
Sie soll es meinetwegen haben
Aber ich, wenn wir schon da sind
Ich – bimm-bumm – verschenke
Die Welt
Wer sie haben will
Soll sich melden
Atmen: Immerfort das Eigene aus den Lungen ins Allgemeine pumpen und dafür eingetauschtes Fremdes in sich aufnehmen. Einzigartiges Wellenmeer. Wie viele Orkane waren schon in mir drin?

Mittwoch, 1. Mai 2013

Der Blick in die Nacht als ›Unendlichkeitskino‹? – Kaum: Wartet nur ein paar Äonen, dann ist da nur noch eine schwarze Leinwand.
Kaffee: Das Zuckertütchen wild schütteln, mit den weißen Körnern eine Fluchtinsel bauen inmitten der braunschwarzen Unwellen, sich kurz draufträumen, dann doch umrühren, zum Mund führen. Und auf der Zunge explodieren die Geschmacksnerven …
Historisch-kritische Ausgabe und die Suche nach der ›Urfassung‹: welche denn? Im Hirn? Im Zentralnervensystem?
Nüüt isch! Das Nichts ist. Aus dem Nichts etwas. Solange er schrieb, im Banne, auf Zettel, auf Beine, auf Schienen, auf Ellen, auf Speichen, auf Nasen, auf Ohren, lebte er, solange …
Justitia: Domina-Maske über den Augen, in der Hand schon das steife Schwert …
»Ich liebe dich. Aber das reicht nicht für eine Beziehung …«, spricht der Fleischer zum Huhn – und hackt ihm den Kopf ab.
Unauslöschliches Weinen.
Ein hartgesottener Atheist. Wahrlich, in den Folterkochtöpfen der Theologen.
Um kurz den Ist-Bestand zu überprüfen: Schlüssel? Jawoll. Portemonnaie? Yep. Handy? Ja. Sonnenbrille? Auch da. Also los.