Mittwoch, 29. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 28. MÄRZ (SIEBENUNDZWANZIGSTER TAG)
Kain und Abel, ich opfere kein Fleisch in den Sarg meines Körpers. Aber ich habe das Zeichen auf der Stirn, den Storchenbiss. Er aber würde manchmal fast einen totschlagen. Dafür opfert er Fleisch. Wenigstens ist das alles.
Heute am Grand Canyon entlanggewandert. Die Elchkühe liegen da friedlich auf auf den Wanderwegen und lassen sich nicht stören.
Bisher hat es an 27 Tagen zwei Mal geregnet. 
MEINE IMAGINÄRE REISE, 27. MÄRZ (SECHSUNDZWANZIGSTER TAG)
Heute im Grand Canyon gewandert. Dieser Nationalpark ist nun leider nicht mehr so menschenleer. Selbst im März nicht ...
Und amerikanischer geht’s nicht. Hier kommen alle hin, selbst ich, von zuhause aus, mit den Webcams mache ich meine Reise, heute alles möglich. Imaginär, imaginär ...
Abends joggen: Dabei sehe ich, wie ein Rabe ein Rind mobbt; er verscheucht es immer wieder, weiter und weiter weg. 

Montag, 27. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 26. MÄRZ (FÜNFUNDZWANZIGSTER TAG)
Am Morgen ins Sunset Crater Volcano National Monument. Dort den Lava Flow Trail gewandert und auf den Lenox-Krater (aber ohne Vulkansee oder so, sehr unscheinbar).
Dann Spazierfahrt durch das Wupatki National Monument.
Dann, bei Cameron, quasi mitten in der Wüte, steht da ein Burger King!
Fahrt zum Grand Canyon, den wir von verschiedenen Aussichtpunkten her schon mal vorsondieren für die Wanderung morgen.
Abends joggen bei Valle: Hasen, Rehe, Vögel, Hunde ... 

Sonntag, 26. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 25. MÄRZ (VIERUNDZWANZIGSTER TAG)
Morgens ins Navajo-Museum in Tuba City.
Irgendwo auf dem Weg zum Barringer Crater halten wir dann mitten in der Pampa: Selten so einsam, selten so ruhig ... Aber die Armut im Gebiet der Hopi!
In der Nähe des Kraters zuerst das verlassene Meteor City, eine Art Vergnügungspark. Alles am Zerfallen, eingeschlagene Scheiben, abgelebte Freude.
Der Barringer Krater für mich dann etwas vom Eindrücklichsten in meinem Leben.
Öde Fahrt nach Flagstaff, eine eher wieder etwas alternative Stadt, wo man gut isst und die Menschen mir beim Joggen zuwinken. 
MEINE IMAGINÄRE REISE, 24. MÄRZ (DREIUNDZWANZIGSTER TAG)
Was ich bisher in den Motels vergessen habe: Den Zahnbürstenakku-Lader, Jogging-Zeugs ...
Von Cortez nach Tuba City: Schöne Fahrt durch einsame Gebiete (wir wählen Nebenstraßen). Dann obligat: Monument Valley. Das Auto danach rot von Staub.
In Kayenta lernen wir vor dem McDonald’s einen Navajo kennen, der uns einige Worte beibringt und dafür wissen will, was «hallo» auf Swiss German heißt.
In Tuba City dann, im Navajo-Autonomiegebiet, gibt es keine Bar: It’s a dry town.
Aber was sie haben wie überall: Diese vielen vielen Kopfkissen auf den Betten ...
Dafür hier erstmals keine Zwischenwände zwischen den einzelnen Pissoirs auf den Männerklos.
Und eine eigene Time Zone: Navajo Time Zone.
Dafür wieder gleich wie überall: Die Duschen nie mit Schlauch, die Brause immer oben fest montiert. 
MEINE IMAGINÄRE REISE, 23. MÄRZ (ZWEIUNDZWANZIGSTER TAG)
Mesa Verde National Park (der einsamste bisher): Eine Wanderung zu den Petroglyphen und Besichtigung mehrerer Pueblo-Siedlungen, die überlebt haben.
Abends im Thai-Restaurant: Die Mühe, die sie sich geben, beginnt bereits bei der oben auf dem Röhrchen belassenen Papier (zeigt an: ist unbenutzt ...), das sie kunstvoll gestalten.
Was es hier in der Gegend oft gibt: Hunde, die bei offenem Fenster mitfahren oder hinten auf der Pritsche eines Pick-ups (hoffentlich ohne Vollbremse).
Joggen.

Donnerstag, 23. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 22. MÄRZ (EINUNDZWANZIGSTER TAG)
Autofahrt von Moab nach Cortez. Und dann die Klischees: Loved Ones; Lazy Afternoon – Ja, den faulen Nachmittag machen wir, um uns zu erholen, an die Geliebten denken wir ...
Habt Ihr bemerkt, dass das Tagebuch selbst amerikanisch ist? Mehr als echt. Wirklich imaginär? (Eine Form finden, heißt das ...)
Abends joggen.
ZENSUR (wen es interessiert, darf sich bei mir melden ...).

Mittwoch, 22. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 21. MÄRZ (ZWANZIGSTER TAG)
Heute im Arches National Park bei Moab. Einige der Besucher steigen nicht mal aus dem Auto, selbst wenn man bloß 50 Meter gehen müsste ... Dafür wandern einige junge Frauen gleich im BH und Latzhosen ... Hitze macht auch modisch etwas kreativ.
Abends im Restaurant: Als mein Bruder fragt, ob er den Rest seines Getränks in einem Becher mitnehmen könne, bekomme ich automatisch auch einen solchen mit auf den Weg, obwohl ich schon lange ausgetrunken hatte ... 

Dienstag, 21. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 20. MÄRZ (NEUNZEHNTER TAG)
Von Boulder nach Moab in Utah. Wie immer auf der Fahrt: Die Berge, die das eigene Augen im Gesamtlandschaftsbild so hoch aussehen lässt, sind auf dem gekmipsten Foto irgendwo hinten noch ziemlich klein drauf. Es ist eben nie dasselbe, ein Foto zu sehen oder das Ganze real zu sehen. Auch auf einer imaginären Reise zuhause im Zimmer ... 

Montag, 20. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 19. MÄRZ (ACHTZEHNTER TAG)
Wieder im Rocky Mountains National Park. Die etwas längere Wanderung im Schnee. Wenig Menschen, viele Vögel, berührende Natur.
Auf dem Parkplatz dann drei Frauen mit schreienden Kindern getroffen, die viel zu weit gewandert waren. Ich bot ihnen an, sie zu ihrem Auto beim anderen Parkplatz zu fahren. Sie waren unglaublich dankbar: «Lassen Sie mich Ihre Hand schütteln», sagte die eine, die andere bot Geld an, die dritte meinte: «Ach, es ist teilweise so mühsam mit Kindern ... Haben Sie nie welche!»
Abends in Boulder hat mich dann Alice angesprochen. Sie ist 18 Jahre alt und arbeitet bei Taco Bell für 9.75 Dollar in der Stunde. Ein Auto hat sie, aber sonst sei sie so ziemlich «broke». Wollte eigentlich Tierärztin werden, aber mit 15 flog sie von der Schule und wurde von den Eltern unterrichtet. Daher kriegt sie auch kein Stipendium, Schulden will sie keine machen, Geld haben die Eltern auch keins. Mit 17 dann kamen noch schlaflose Nächte hinzu, wo sie von ihrem Unterbewusstsein gequält worden sei. Darum darf sie nun ärztlich verordnet kiffen. Sie möchte auch gern einen Road Trip unternehmen, aber hat kein Geld dazu. Sie sei deswegen und ob ihres Lebens ganz schön «apathetic» ... Und weil sie etwas speziell sei, sage ihr auch nie jemand, dass sie lieb sei oder wirklich etwas könne. Dabei spiele sie sogar Kontrabass. Wenn sie mal jemanden attraktiv finde, schaue sie sonst immer weg. Aber das würde bei ihr auch besser gelten (für die Männer): Frauen seien «crazy», die meiste täten den Männern nur weh.
Aber sie habe trotzdem jetzt mal Lust, zumindest zu küssen. Ob mir denn das was ausmache? – Nun, an der Stelle musste auch ich ihr halt ehrlich sagen, dass ich nicht der Typ bin, der 25 Jahre jüngere Frauen, vor allem da ich ja zuhause sehr verliebt vergeben bin, küssen mag. Das tat mir leid für sie, aber das lässt mein Herz einfach nicht zu.
Leb wohl, Alice, und schreib mir später mal ...
Du und Dein Tinnitus. 
MEINE IMAGINÄRE REISE, 18. MÄRZ (SIEBZEHNTER TAG)
Heute etwas länger geschlafen. Dann im Rocky Mountains National Park etwa drei Stunden gewandert. Auf dem Weg dahin ist die Straße belebt mit Rennvelofahrern.
Abends wieder, wie gestern, eine vegetarische Suppe gegessen. 
MEINE IMAGINÄRE REISE, 17. MÄRZ (SECHZEHNTER TAG)
Von Santa Fe nach Boulder/Colorado. Dazwischen kurzer Stopp in Denver.
In Colorado sind die Menschen allgemein ziemlich viel schlanker als sonstwo bisher in den USA. Und Boulder selbst ist nicht nur zu einer der drei besten Velostädte der Staaten gewählt worden, sondern hat auch eine Fußgängerzone. Dazu kann man hier prima vegetarisch essen. Oder wie andere es tun: kiffen.
Abends im Pub (St. Patricks Day) von einer Frau gefragt worden, ob sie an meinem Bart riechen dürfe ... 

Freitag, 17. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 16. MÄRZ (FÜNFZEHNTER TAG)
Wenn der Ami auf dem Land betrunken ist, siehe da, sagt er manchmal doch «on foot» und nicht «by foot» (worauf einige sonst stolz sind ...).
Bei der Fahrt von Carlsbad über Roswell (ja, genau dieses, jaja ...) nach Santa Fe eine Riesenneonlichtanzeige gesehen, die jeweils das letzte Paar zeigt, das im entsprechenden Kaff geheiratet hat: was für zwei Monate of fame ... 
Vor dem schlafen noch 43 Minuten joggen gegangen (Höhe: 2200 Meter) ...

Donnerstag, 16. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 15. MÄRZ (VIERZEHNTER TAG)
Früh am Morgen zum Fort Davis. Um acht spielen sie da die Reveille. Danach zu den Carlsbad Caverns. Und abends in Carlsbad. Wieder: Kaum kommt man in einen Waschsalon und hat ein Waschmittel, wird einem eins geschenkt. 
MEINE IMAGINÄRE REISE, 14. MÄRZ (DREIZEHNTER TAG)
Heute sechseinhalb Stunden in der Wüste Sonora. Wasserverbrauch: siebeneinhalb Liter. Pinkelpause: zwei Mal.
Ein weiteres Klischee also immer noch und doch: Hier, ausgerechnet HIER denke ich, dass man eigentlich als Schriftsteller (denn manchmal habe ich in letzter Zeit daran gezweifelt) eben doch nicht nur immer neue Geschichten erzählen sollte (und alte bzw. immergleiche), sondern auch neue Formen ausprobieren muss. Was bringt die Menschen evolutionstechnisch vorwärts? Wissenschaft, Leistungen im sportlichen Bereich, die Medizin ... Während da niemand denkt, man solle immer auf dieselbe Art und mit denselben Hilfsmitteln operieren, werden die Progressiven in der Literatur mehr als selten schräg angeschaut. Aber wenn nicht, wie schon mal gesagt, unser ganzes menschliches Bewusstsein als solches eine Sackgasse der Evolution sein sollte, könnte es gut sein, dass die Literatur die Menschen entscheidend vorwärtsbringen wird. Es könnte auch ein ganz anderes Gebiet sein, etwa der Sex. Aber vielleicht eben doch die Literatur. Sie hat schon bedeutende Schritte gebracht ... – 

Mittwoch, 15. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 13. MÄRZ (ZWÖLFTER TAG)
Ich reise gar nicht. Ich führe mir nur Orte vors Auge.
Und trotzdem ging’s heute von Rocksprings erstmals als Auto-Tag Stunde um Stunde im Sitzen weiter: Zuerst machen wir wegen des Navi-Geräts eine zweistündige Rundfahrt, um am Ende wieder in Rocksprings zu landen. Wir stellen auf die gute alte Weise um und lesen Karte: über Del Rio und Sanderson nach Marathon. Dort die bisher beste Pizza in Amerika gegessen. Dann in den Big Bend Nationalpark. Weil aber gerade Springbreak angefangen hat, sind da und rundherum alle Motels voll. Wir müssen bis Alpine fahren, um was zu finden.
Abends trotzdem noch joggen gegangen. 

Montag, 13. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 12. MÄRZ (ELFTER TAG)
Abgesehen vom Besuch des Space Centers in Houston (und dem Anblick der Skyline von Houston) heute durch Landschaften gefahren, wie ich sie noch nie gesehen habe: von San Antonia bis Rocksprings/Texas.
Session im Auto: Lana Del Rey mit «Born to Die». 

Sonntag, 12. März 2017

MEINE IMAGINÄRE REISE, 11. MÄRZ (ZEHNTER TAG)
Am Morgen früh geht’s auf die Swamp Tour: Wir sehen Schlangen, Spinnen, Wildschweine, Alligatoren, Waschbären, Fische, Schmetterlinge und Vögel. Ein Höhepunkt. Trotz der Touristen (inklusive mir).
Dann Fahrt Richtung Westen: wieder durch Sumpflandschaften, wunderschön. Wir sehen Flamingos und müssen auch mal mit der Fähre übersetzen ... Kaum sind wir in Texas, sehen wir erstens eine Ölplattform und zweitens in der beginnenden Nacht eine Flamme oben an einem Bohrturm (also beides Klischees, nicht wahr?!). Noch später halten wir nachts am Strand und hören dem Rauschen der Wellen (des Golfs von Mexiko) zu.
Und im Auto der Joy Division: «Love Will Tear Us Apart». Jaja.
Abends gibt’s beim Fast Food keinen vegetarischen Salat!
Und später regnet es seit Beginn der Reise das erste Mal.